Leben & Kultur
27.04.2005
Bass sorgt für wohliges Pluckern
im Magen
Sindelfingen: Die Tübinger Formation Dub Voyagers überrascht
mit deutschen Texten zu Reggae-Rhythmen im Pavillon der IG Kultur
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber Dass deutsche
Texte ganz wunderbar zu Reggae-Rhythmen passen, hat die Tübinger Formation
Dub Voyagers bei der IG Kultur im Sindelfinger Kulturpavillon demonstriert.
In Kombination mit einer Vorliebe für ungewöhnliche Samples
präsentiert sich deren Sound als hochspaßige und extrem
tanzbare Mischung aus Deutschpop und Dancehall-Sound.
Natürlich sind die Dub Voyagers nicht die Ersten, die eine launige
Mischung aus dezent ironischen deutschen Texten und Reggae-Rhythmen
schmieden. "Ein großes Vorbild für uns sind Seed
aus Berlin", nennt Keyboarder Andreas Konitzer die vielleicht
berühmteste deutsche Reggae-Formation als Vorbild.
Wer hier bei der Genrebezeichnung "Reggae" an sozialpädagogischen
Betroffenheits-Barfußtanz in wehendem Batikrock, oder an verkniffenen,
politisch motivierten Haschischkonsum denkt, geht fehl. "Natürlich
sind solche Sachen wie Peter Tosh oder Bob Marley irgendwie okay",
grenzt Konitzer ab, "diese Arte Reggae hat aber mit unserer
Musik nichts zu tun."
Vielmehr beziehen sich die sieben Musiker der
Dub Voyagers mit ihrer Musik auf Dancehall-Reggae und Dub. Folgerichtig
findet sich neben
den obligatorischen Bläsern und den fetten Basslinien in ihrem
Sound allerhand ausgelassenes elektronisches Gefrickel und haufenweise
Samples.
"Natürlich haben wir auch Elemente des
Dub", sagt Markus
Beschorner, Posaunist und Sänger, "aber anstatt extrem
langer instrumentale und reduzierte Passagen einzubauen, haben wir
das Tempo etwas angezogen, um das Ganze tanzbarer und auch spaßiger
zu machen." Doch damit nicht genug: Auch aus Hip-Hop und Ska
borgen sich die Dub Voyagers, was sie brauchen können.
Das Ergebnis macht Riesenlaune: Während ein Sample aus einem
Schulmädchen-Film der Siebziger über die Gefahren sexuell
aggressiver Jungs aufklärt, "Vorsicht, wenn ein Junge gleich
beim ersten Mal küssen will", oder bizarre Momente des
Verkaufsfernsehens aufs Ohr knallt, und die Basslinien ein wohliges
Pluckern im Magen verursachen, eingerahmt von scharfen Bläserstößen,
erklärt Sänger Markus Beschorner kurz mal eben seine Welt
aus Fernsehen, Eis kaufen, Mädchen treffen oder einfach nur
abhängen.
Musik für gute Laune
"
Auf keinen Fall politisch" seien seine Texte, erklärt Beschorner: "Es
sind Geschichten aus dem Alltag, Liebesgeschichten, oder Dinge, die
mir einfallen, wenn ich durch Tübingen spaziere." "Wir
lieben Hörspiele", sagt Andreas Konitzer beinahe schon
entschuldigend, wenn die Sprache auf die bizarren verwendeten Samples
kommt.
Albern ist das manchmal, zuweilen auch etwas extrem
studentisch augenzwinkernd, meist jedoch tatsächlich richtig lustig und Partylaune verbreitend.
Gute Laune-Musik eben.